Carlo Goldoni

Mirandolina

In der florentinischen Badeanstalt kann man sich wohl fühlen! Man wird verwöhnt mit Bädern, Massagen, Schlammpackungen und wenn man(n) ganz viel Glück hat, betreut einen die hübsche und charmante Leiterin der Anstalt: Mirandolina! Aber genau das bringt so manchen Männerkopf durcheinander. Zwei Edelmänner verlieben sich Hals über Kopf in die schöne und kluge Mirandolina - ein verarmter Marquis, der bis auf seinen Titel nichts zu bieten hat und mit seinen letzten Gulden knausert, und ein neureicher Graf, der diesen Titel käuflich erworben hat und auch sonst mit Geschenken und Attitüden glänzen möchte. Mirandolina besitzt genug Geschäftssinn, ihre Gäste nicht vergraulen zu wollen und hält sich deshalb beide warm. Ein weiterer Gast, der Ritter von Ripafratta scheint immun gegen jeden weiblichen Reiz. Er geht abfällig mit dem anderen Geschlecht um und macht sich über die Gefühle seiner Kameraden lustig - das weckt Mirandolinas Ehrgeiz. Ihn will sie in sich verliebt machen, ihm seine Schwächen aufzeigen und die Ehre der Frauen retten! Da kommen ihre beiden Freundinnen, die zwei Schauspielerinnen Dejanira und Ortensia, die sie besuchen, ganz recht. Eingeweiht in ihren Plan und selbst auf der Suche nach einer guten Partie ziehen sie gerne mit ihrer Freundin an einem Strang. Und Mirandolina hat einen Plan:  die Schauspielerinnen sollen Graf und Marquis ablenken, während sie sich voll und ganz um den Ritter kümmern kann. Gewitzt und mit viel Einfühlvermögen erschleicht sie sich seine Gefühle. Doch das genügt ihr nicht, sie möchte ihn demütigen, ihn zur Verzweiflung bringen.
Mirandolinas freundschaftlicher Diener Fabrizio wittert, dass sie mit den Gefühlen der Männer spielt und stellt sie zur Rede: Schließlich wurde sie ihm vom Vater versprochen und er ist zutiefst und ehrlich in sie verliebt. Doch scheinbar spielt Mirandolina auch mit seinen Gefühlen. Doch wie weit geht sie? Und was passiert mit Männern, wenn man zuviel mit ihren Emotionen spielt? Wir werden erleben, ob und für wen Mirandolina sich entscheiden kann...


Stück und Autor
Mirandolina wird 1752 unter dem Titel `La Locandiera` in Venedig uraufgeführt- in einer Zeit in der man an manchen Orten gerade damit aufgehört hatte, Frauenrollen von Männern spielen zu lassen und viele Darstellerinnen noch verachtet wurden. So ist Mirandolina, eine starke Frau in einer starken, dominanten Frauenrolle zu diesem Zeitpunkt sicher etwas Neuartiges, Revolutionäres. Neuartig ist auch Goldonis Komödie zu dieser Zeit in Italien. Noch dominiert dort die italienische Stegreifkomödie der Renaissance: die Commedia dell`Arte. Goldonis Bestreben ist es, diese Typenkomödie durch eine Charakterkomödie nach französischem Vorbild, wie beispielsweise bei Moliere abzulösen. Er will dem festen, erstarrten Maskentypen wirklichkeitsgetreue, lebendige Charaktere entgegensetzen.
"Die Maske wird das Spiel des Darstellers immer beeinträchtigen. Will er nun Freude oder Schmerz ausdrücken, ob er nun verliebt ist, in Zorn gerät oder scherzt, stets zeigt sich das gleiche bemalte Leder. Heute verlangt man von dem Schauspieler Seele, und Seele unter der Maske ist wie Feuer unter der Asche."
Das erfordert von Goldoni die Niederschrift der Theaterstücke und die schriftliche Fixierung der Handlung - also weg von der reinen Improvisationskunst der Darsteller, hin zur Figurendramaturgie. Erst diese ausgearbeitete Form eines Theaterstücks macht die Umsetzung von komplexen Charakteren und deren unterschiedlichen Strategien wie bei `Mirandolina` möglich.
Goldoni , der 1707 in Venedig geboren wird arbeitet zunächst als Advokat, Kanzleibeamter und Diplomat, bevor er sich einer Theatertruppe anschließt. Schon von Kindheit an schreibt er Theaterstücke und verfasst mehr als 200 dramaturgische Werke, vor allem Komödien. 1746 wird er dramatischer Dichter am San Angelo Theater in Venedig, für das er auch `Mirandolina` verfasst. Seine Liebe zur Komödie und sein Glaube in die neue Form des Theaters, das das wirkliche Leben zum Vorbild hat, ist so stark, dass er sogar seine Heimat Italien verlässt und 1762 nach Frankreich zieht, um der Stegreifkomödie zu entkommen. Dort wird er Theaterdirektor am französischen Hof und feiert große Erfolge. Durch die Französische Revolution verliert er sein staatliches Gehalt und stirbt 1793 völlig verarmt in Paris.

Regie: Anja Dechant-Sundby

Termine:
Mittwoch 26. Juli, 20 Uhr (Galapremiere)
Freitag 28. Juli, 20:30 Uhr, Samstag 29. Juli, 20:30 Uhr
Donnerstag 03. August 20:30 Uhr, Freitag 04. August 20:30 Uhr
Freitag 11. August 20:30 Uhr, Samstag 12. August 20:30 Uhr

Zu den anderen Stücken: »Das Wirtshaus im Spessart »Das Dschungelbuch

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Die Rollen und ihre Darsteller

Regie Anja Dechant-Sundby
Mirandolina Susanne Rösch
Der Ritter von Ripafratta Klaus Meile
Der Marquis von Forlipopoli Andreas Gräbe
Der Graf von Albafiorita Harald Pilar von Pilchau
Ortensia Stefanie Masnik
Dejanira Laura Sophie Helbig
Fabrizio Tom Ohnerast
Akkordeon Anton Beßlein